„Welch ein Vater hat ein gleiches
Verbrechen verübt?“

Die österreichische Erstaufführung der Oper "Rostam & Sohrab" im
Festspielhaus St. Pölten

Am 3. Mai 2002 wurde die Oper "Rostam & Sohrab" von Loris Tjeknavorain in persischer Sprache in einer konzertanten Aufführung dem österreichischen Publikum vorgestellt und von diesem mit großem Interesse aufgenommen.

Der Komponist Tjeknavorian dirigierte selbst die Aufführung unter Mitwirkung des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters und des Slowakischen Philharmonischen Orchesters mit dessen Leiter Jan Rozehnal. Peter Edelmann sang den Rostam, Juhan Tralla sprang anstelle des erkrankten Helmut Wildhaber für die Rolle des Sohrab ein und Donna Ellen sang die Tahmineh. Weitere Rollen sangen Alexander Kaimbacher(Ferdowsi/Erzähler/Mobed) und Paul Armin Edelmann(Shahe Samangan/Afrasaiah/Hajir). Die Programmidee stammte von Mimi Wunderer, für die Dramaturgie war Reinhard Gosch verantwortlich. Die Produktion erfolgte im Auftrage des Festspielhauses St. Pölten unter dem Intendanten Michael Birkmeyer.

Eine große Zahl von Opernfreunden füllten das Festspielhaus an einem milden Maiabend um die Aufführung dieser Oper zu erleben. Die Oper in zwei Akten handelt von der Geschichte von Rostam und Sohrab, einem der Höhepunkte des Heldenepos Shahnameh von A. Ferdousi. Nach der Aufführung, die von langandauerndem, begeisterten Applaus des Publikums gefolgt war, gab es noch einen Empfang durch den iranischen Botschafter, Rahimpour. In seiner Rede würdigte er die Werke und die Persönlichkeit von Herrn Tscheknavorian und hob hervor, dass er einer von den armenischen iranischen Mitbürgern sei, der auf dem Gebiet der Musik wertvolle Dienste geleistet habe. Er fügte hinzu, dass er auch über das religiöse Epos des Märtyrertums des Imam Hossein umfangreiche Untersuchungen durchgeführt habe, damit er eine eigene Oper darüber in naher Zukunft vorstellen könne. Er sagte auch, dass die Aufführung dieser Oper in Österreich auf dem Wege des "Dialogs der Zivilisationen" veranstaltet worden sei.

Abo-l-Qasem Mansur

ebn-e Hasan Ferdousi

Ferdousi ist wohl der berühmteste aller persischen Dichter. Er wurde ca. 940 n. Chr. in Tabaran bei Tus (heutiges Chorasan) geboren. Seine Familie gehörte den Dehqanen an, der Landadelsschicht, die ihre Entstehung bis in die mittelpersische Zeit zurückführen konnte und deshalb viele vorislamische Traditionen bewahrt und lebendig erhalten hatte. Dies lieferte Ferdousi die Grundlage für die Sammlung und Bearbeitung alter iranischer Legenden und Überlieferungen.

Im Jahr 975 begann er mit der epischen Umsetzung dieser Geschichten. Sein Werk wurde von dem samanidischen Gouverneur von Tus, Abu Mansur, gefördert und finanziert, da Ferdousi selbst in eher bescheidenen Verhältnissen lebte. Länger als 30 Jahre arbeitete er an seinem Buch der Könige, dem „Shahnameh“, das in über 50 000 Versen die Sagen und historischen Ereignisse von den Anfängen bis zur Eroberung Persiens durch die Araber zu einem homogenen Geschichtswerk verband.

Im Jahr 1009 n. Chr. vollendete Ferdousi sein Werk und widmete es dem ghasnawidischen Herrscher Sultan Mahmud, der die Leistung des gigantischen Epos jedoch nur ungenügend würdigte und Ferdousi mit 20 000 Silberdirham abspeiste. Wütend verfasste Ferdousi ein langes Gedicht, in dem er den König. schmähte, was zur Folge hatte, dass er nach Tabaristan fliehen musste. Nachdem der Zorn des Herrschers verraucht war, rief er-zwischen 1020 und 1026 n. Chr.- den Dichter zurück und befahl, ihm eine Schenkung von 60 000 Golddinar zukommen zu lassen. Die Wiedergutmachung jedoch erreichte Ferdousi nicht mehr, da er inzwischen gestorben war.

Die Oper Rostam und Sohrab

Die Oper behandelt in zwei Akten die Ereignisse von der Vermählung Rostams mit Tahmineh bis zum Tode Sohrabs durch die Hand des Vaters.

Die Handlung beginnt mit der Jagd Rostams im Lande Samangan, bei der sein Pferd Raksch gestohlen wird. Nach einem Festmahl beim König des Landes, betritt in der Nacht dessen Tochter Tahmineh das Gemach Rostams und vermählt sich mit ihm. Tahmineh gebärt einen Sohn und nennt ihn Sohrab. Er wächst zu einem Helden heran. Als er entdeckt, dass Rostam sein Vater ist, möchte er ihn zum König von Persien machen und erklärt dem korrupten König Kavus von Persien den Krieg.Doch der König der Turaner Afrasiab erfährt von der Identität Sohrabs und unterstütz ihn in seinem Kampf, ohne die Identität seines Vaters preiszugeben, damit er von diesem getötet wird. König Kavus bittet Rostam um Unterstützung gegen den Krieger Sohrab und die Turaner.

Im zweiten Akt akzeptiert Sohrab Afrasiabs Angebot. Der iranische Ritter Hajir wird von ihm gefangen genommen, doch dieser verschweigt ihm, dass Rostam im Heer der Iraner ist, aus Angst Sohrab könnt ihn töten. Rostam und Sohrab treffen in drei Schlachten aufeinander. Rostam verschweigt seine Identität, weil er fürchtet, dass Sohrab gewinnen und Schande über seinen Namen bringen könnte. In der zweiten Schlacht hindert Rostam Sohrab daran ihn zu erdolchen, mit der Begründung, dass es nicht die Tradition der Perser sei ihre Gegner bei der ersten Gelegenheit zu erstechen. Doch in der dritten Schlacht lässt er die Tradition selbst außer Acht und tötet seinen Sohn.

Als Rostam durch das Armband die Identität seines Sohnes erfährt, ist er verzweifelt und auch Tahmineh stirbt bald an gebrochenem Herzen.

Schahnameh
Das Buch der Könige

Das Schahname ist das bekannte iranische Nationalepos, das von Abo-l-Qasem Ferdousi (ca. 940 - ca. 1026 n. Chr.) gedichtet wurde. Den Stoff schöpfte er teils aus mündlichen, teils aus schriftlichen Überlieferungen. Oft stützte er sich z. B. auf die Aussagen von Landedelleuten oder zoroastrischen Priestern.

Als eigentliche Quelle für sein Werk benützte er das Schahnahme, ein Prosawerk, das auf Befehl von Abu Mansur (gest. 961 n. Chr.), dem Heerführer von Chorasan, abgefasst worden war. Über dreißig Jahre arbeitete er an seinem "Buch der Könige", das in über 50000 Versen die Sagen und die Geschichte Persiens bis zur Eroberung durch die Araber darlegt.

Dieser gewaltige Zeitraum wird beginnend mit den mythischen Urkönigen in fünfzehn Königsherrschaften eingeteilt, wobei die Ausführlichkeit der Schilderung oft nicht der Dauer der Abschnitte entspricht. Drei Epochen werden im Schahnameh unterschieden:

Seine Kämpfe mit dem Turaner Afrasiab, den Diws in Mazanderan, seine sieben Abenteuer und besonders der Kampf mit seinem Sohn Sohrab, den er unerkannt erschlägt, gehören zu den schönsten und bedeutendsten Passagen im Schahnameh.

Die Kriege und Kämpfe stehen im Vordergrund und werden in überschwenglichen Bildern geschildert. Die Kräfte der Helden gehen ins Wunderbare. Neben den Heldentaten, spielen auch üppige Gastmähler und die Liebe eine große Rolle.

3. Die historische Epoche
Sie beginnt mit König Dareios, der von Alexander dem Großen besiegt wird. Zu den bedeutendsten Episoden dieses Teils zählen die nichtiranische Alexandersage, die sagenhafte Geschichte von Ardaschir-e Babakan, dem Gründer der Sasaniden-Dynastie, von Shapour, von Bahram-e Gur u. v. a. In diesem Teil werden geschichtliche Ereignisse und Persönlichkeiten, aber auch das soziale und kulturelle Leben geschildert. Die Darstellung ist viel nüchterner und realistischer als in den beiden vorhergehenden Abschnitten. Der Dichter fügt auch immer wieder eigene Gedanken über die Vergänglichkeit der Welt ein. Dieses literarische Werk hatte großen Einfluss auf die Festigung des nationalen Bewusstseins im Iran. Eine arabische Übersetzung erschien schon 1227 n. Chr. Heute ist das Schahnameh, zumindest teilweise, in fast alle Weltsprachen übersetzt.
2. Die Heldenepoche
Sie beginnt mit dem Aufstand des Schmiedes Kawe. Dies ist der bedeutendste Teil des Schahnameh. In ihm treten Helden wie Kawe, sein Sohn Quaren, Garasp, Sam und Nariman auf. Der bedeutendste dieser Helden ist jedoch Rostam, ein legendärer Fürst aus Zabolistan (Sistan), von dem ausführlich erzählt wird.

Loris Tjeknavorian
Der Dirigent und Komponist wurde 1937 im Iran geboren. Nach einem Violin- und Klavierstudium am Teheraner Musikkonservatorium schloss er 1961 sein Kompositionsstudium an der Wiener Musikakademie mit Auszeichnung ab. Nachdem er von1961 bis 1963 in Teheran unterrichtete und zum Leiter des Staatsmusikarchivs ernannt .
wurde, konnte er durch ein Stipendium von Prof. Carl Orff im Jahre 1963 "Rostam und
Sohrab" in salzburg fertig stellen.

965 begann er ein Dirigentenstudium an der Universität von Michigan. Von 1966-1970 war er zuerst Dirigent des Concordia College und dann Leiter der Abteilung Instrument und Oper an der Moorhead State University. 1970 wurde er Chefdirigent des Teheraner Opernorchesters und führte auch eigene Werke wie die Märchenoper "Pardis und Parisa" und das Tanzdrama "Simorgh" auf.

Tjeknavorian trat mit vielen internationalen Orchestern in der ganzen Welt z. B. in Wien, London, Paris, New York, Tokyo, usw. auf. Seine eigenen Kompositionen führte er mit bedeutenden Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra, dem Halle Orchestra, dem Philharmonischen Orchester Helsinki, dem American Symphony Orchestra in New York, dem Teheran Symphony Orchestra, u.a. auf. Im Jahr 1989 wurde Tjeknavorian zum Chefdirigenten und künstlerischen Leiter des Armenischen Philharmonischen Orchesters (APO) in Jerewan, Armenien, ernannt. Während seiner elfjährigen Zusammenarbeit mit dem APO wurden viele international anerkannte Aufnahmen mit dem ORF und der britischen Plattenfirma ASV gemacht und viele Tourneen nach Europa, in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, in den Iran und den Libanon unternommen.

In drei aufeinanderfolgenden Jahren, von 1991 bis 1993, war das APO das Hausorchester bei der ORF-Benefizveranstaltung "Licht ins Dunkel" in Wien. Tjeknavorian legte im Jahr 2000 seine Position beim APO zurück, um sich wieder vermehrt der Kompositionstätigkeit und der Zusammenarbeit mit anderen Orchestern widmen zu können. Im Laufe seiner Karriere hat Tjeknavorian über 100 Aufnahmen mit RCA, Philips, EMI, ASV etc. gemacht und über 75 Kompositionen geschrieben: Fünf Symphonien, zwei Opern, ein Requiem, Kammermusik, Konzerte für Klavier, Violine, Gitarre, Cello oder Bipa (chinesische Laute), verschiedene Choralwerke inklusive des Oratoriums "Die Offenbarungen des Johannes". Im April 2001 dirigierte Tjeknavorian ein Konzert mit den Wiener Symphonikern im Wiener Musikvereinssaal. Das Programm enthielt unter anderem drei Stücke aus seiner Oper "Rostam & Sohrab" und seine 2. Symphonie "Credo." Die Firma BMW hat die Suite von Tjeknavorians Märchenoper "Pardis und Parisa" für die Werbekampagne eines neuen Automodells ausgewählt und im Rahmen von Autopräsentationsveranstaltungen einige tausend CDs mit Ausschnitten dieser Märchenoper verschenkt.

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