NAQQASCHI-YE QAHWE-CHANE

Die persische Teehausmalerei

Sie gilt als die hohe Schule der Kunst und wird als Ausdrucksform der Selbstfindung der iranischen Malerei auf der Grundlage alter und traditioneller Werte angesehen. Sie entstand in einer Zeit, als die iranische Malerei trotz ihrer alten, inhaltsreichen und schöpferischen Geschichte wegen der herrschenden kulturellen Bedingungen im Iran des beginnenden 19. Jahrhunderts Verfallserscheinungen zeigte.

Mit der Rückkehr einer Gruppe iranischer Maler aus Europa in die Heimat und der Verbreitung westlicher Stilrichtungen drohte einerseits der Verfall traditioneller Kriterien, andererseits blieben die meisten iranischen Maler den alten überkommenen Wertvorstellungen und Mustern treu und waren mehrheitlich nicht bereit, die Notwendigkeit europäischer Vorstellungen in dieser Kunst anzuerkennen.In dieser kritischen Lage fühlten sich einige Künstler herausgefordert, mit Hilfe reicher Motive der Kultur Irans den Boden für eine neue Entwicklung vorzubereiten, die später unter dem Namen "Schule der Teehaus-Malerei" in die iranische Kunstgeschichte einging.

Das eigentliche Ziel dieser Maler war die Huldigung der religiösen Überzeugung des einfachen Mannes und die Darstellung von Mythen und Legenden der iranischen Prosaliteratur und Dichtung. Vor allem Szenen aus dem Schahname von Ferdosi, dem Weisen aus Tus, standen und stehen im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses. Die kritische Würdigung dieser Maler, wichtiger noch als das Verstehen der künstlerischen und kulturellen Grundlagen der Schule der Teehaus-Malerei, bedarf zweifellos einer - wenn auch flüchtigen und knappen - Spurensuche der Ursprünge dieser volkstümlichen Malerei in der Kunstgeschichte Irans.

Die Volkskunst oder die volkstümliche Kunst basiert auf dem ästhetischen Empfinden und den Überzeugungen des Mannes auf der Straße. Sie hatte zwar wegen fehlender Möglichkeiten und mangelnder Unterstützung niemals Gelegenheit gegen die offizielle Kunst aufzutrumpfen, aber sie spielte wegen ihrer festen Verankerung im Volksglauben eine konstruktive Rolle in der Wahrung religiös-nationaler Traditionen und Wertvorstellungen. Sie bildete eine unüberwindliche Hürde vor den wiederholten Eingriffen fremden Gedankengutes in die heimische Kultur und Kunst.

Die iranische Kunst zur Zeit der Safaviden (16./17. Jahrhundert) erreichte durch das Auftreten namhafter Künstler, insbesondere auf dem Gebiet der bildenden Kunst, einen beachtenswerten Rang. Doch drohte gleichzeitig der Verfall der nationalen Werte der iranischen Kunst im Zuge der Aufnahme politischer und kultureller Kontakte zu einigen europäischen Ländern. Die Neigung einiger Hofmaler der Safaviden zur Nachahmung europäischer Stilrichtungen, die durch die Maler europäischer Botschafter nach Iran gekommen waren, beschleunigte diesen Verfall.

In den Wirren dieser sich wandelnden Zeit traten einige anonyme ästhetisch begabte und überzeugte Künstler mit großem Mut in der Kunstszene auf, ohne von den Zentren der Macht, den offiziellen künstlerischen Kreisen und dem Hof Unterstützung zu bekommen. Diese Künstler behaupteten sich mit der Darstellung religiöser Überlieferungen auf der Leinwand einerseits gegen die verblasste Hofkunst, die Europa kopierte, und eroberten sich andererseits wegen ihrer wertvollen und leicht verständlichen Motive einen Platz in den Herzen der einfachen Leute.

Die im Volksmund Pardekeschan (Leinwandmaler) genannten Künstler, trugen ihre Leinwandgemälde auf Straßen, Gassen und Plätze, wo sie Geschichtenerzählern zuhörten, die Geschichten über religiöse Vorbilder dem andächtig lauschenden Publikum erzählten. Von diesen Geschichten wiederum ließen sich die Maler inspirieren und beeindrucken und brachten, was sie hörten, dann auch auf die Leinwand.

Die Kunst der Leinwandmaler, die nach dem Sturz der Safavidendynastie wegen der politischen und sozialen Wirren schließlich ihren Glanz einbüßte, lebte, wie die anderen Richtungen der Volkskunst, unter bescheiden Möglichkeiten mit der Unterstützung der Bevölkerung fort und in ihre wertvollen Motiven fanden Szenen aus der religiösen und nationalen Prosa und Dichtung Eingang, insbesondere aus dem Schahname. Sie erschien manchmal mit besonderer Prachtentfaltung auf den langen und breiten Szenen der Kachelarbeiten in den Hoseinije, Klöstern und Residenzen.

Diese neue Entwicklung, die mit dem Rückgang von Literatur und Kunst, die den Lebensgewohnheiten der einfachen Menschen fremd war, und der Erkenntnis der Notwendigkeit einer Art Rückbesinnung auf die vergessenen religiösen und nationalen Werte einherging, veranlasste die Volkskünstler zu neuen Anstrengungen.Die Teehausmaler ignorierten die üblichen Kriterien und Regeln des westlichen Malstils, darunter die Perspektive der Darstellungen, sahen davon ab die Natur und deren Erscheinungsformen zu kopieren und ließen ihrer Phantasie freien Lauf. Mit diesem Reichtum an Phantasie, der Treue zu Motiven religiöser Überlieferungen und mythologischen Themen leisteten sie einen bleibenden Beitrag zur Erhaltung der Werte und Formen der iranischen Malerei.

Die Phantasiedarstellungen und die Distanzierung von objektiven und konkreten Erscheinungen der Natur gehen auf eine lange Tradition der iranischen Malerei zurück und bilden das eigentliche Grundmuster der traditionellen Malerei. Die iranischen Maler waren immer erfolgreich, wenn sie, gestützt auf ihre Phantasie,

ihre innersten Gedanken darstellten, statt ihre Erfahrung und Begabung mit dem geschickten Malen von Bildern unter Beweis zu stellen.

Die Bezeichnung dieser Volkskunst als Teehaus-Malerei ist eine Würdigung des Teehauses als Hauptentstehungsort dieser Bewegung. Die Teehausbesitzer sind immer eifrige Helfer der Teehausmaler und ihre ersten Förderer gewesen. Später erkannten die Teehausbesitzer, dass es für das Geschäft und für die Werbung von Kunden sehr förderlich ist, einige begabte Künstler im Haus zu haben und ihre Teehäuser zu Ausstellungsräumen religiöser, nationaler und mythologischer Bilder zu machen.

Die Teehausmaler erkannten die Bedürfnisse ihrer Zeit und malten Bilder voller Schönheit und Anmut, so dass nach einer nicht allzu langen Zeit nicht nur die Teehausbesitzer, sondern auch die einfachen Menschen ihre Ersparnisse für den Kauf von Gemälden opferten und so diese Art der Kunst besonders förderten. Die Teehausmaler, die meist in Armut und Entbehrung lebten, fühlten immer mit dem einfachen Mann und verschenkten gelegentlich ihre wertvollen Gemälde für den Preis einer Mahlzeit im Teehaus den Freunden ihrer Kunst.

Unter den bekannten Teehausmalern verdienen die Namen Hossein Gullaroghasi und Mohammad Modabber als führende Gestalten und Förderer dieser Kunst besondere Erwähnung.Diese beiden talentierten Meister leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung und Verbreitung der Teehaus-Malerei und waren die Pioniere der neuen Bewegung. Die Teehausmalerei ist im heutigen Iran dank der Arbeit einiger Maler, die als Schüler den Weg ihrer Meister fortsetzten, noch nicht in Vergessenheit geraten. In diesem Zusammenhang ist der zeitgenössische Meister des Phantasiemalens, Abbas Boluki-Farr, zur Erhaltung der Teehaus-Malerei von größter Bedeutung.

Inhalt