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Ich glaube, die große Herausforderung des Dialogs der Religionen wird es in Zukunft sein, zu erkunden und zu ergründen, inwieweit die Haltung des Dialogs sich aus der innersten Mitte der eigenen Religion ergibt. Gelingt dies nicht, so werden die Skeptiker immer sagen können, wir führten nur einen Scheindialog, der anderes verberge. Lassen Sie mich daher stichwortartig vier Gründe nennen, die den Dialog der Religionen aus dem Herzen unserer Glaubensüberzeugung entspringen lassen: 1.Der Glaube an den einen Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, bedeutet auch die Gewissheit, dass die Menschheit wirklich eine ist, die Menschheitsfamilie, und dass ein gemeinsamer Ursprung und ein gemeinsames Ziel uns verbinden. Die Konzilserklärung "Nostra Aetate" über die nichtchristlichen Religionen geht von dieser Gewissheit als der Grundlage des Dialogs der Religionen aus: "Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ; auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel...." (II. Vatikanisches Konzil, Erklärung über die nichtchristlichen Religionen Nostra Aetate) Ausgehend von dem "religiösen Sinn", der sich bei Menschen verschiedenster Völker und Kulturen findet, und von den großen "Rätseln des menschlichen Daseins", auf die die Religionen Antwort zu geben versuchen, erklärt sodann das Konzil, worauf der "Dialog der Religionen" in der Sicht des katholischen Glaubens beruht: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet." (Nostra Aetate 2) 2. Die universale Sendung, die die Kirche von Christus erhalten hat, der kostbare Schatz der Wahrheit, der ihr anvertraut ist, dürfen nicht zu Überheblichkeit und zum Stolz führen, sondern im Gegenteil zur Demut und Bescheidenheit: "Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt" (2 Kor 4,7). Zu deutlich erfahren wir, wie groß die Disproportion zwischen der Größe des Auftrags und der Schwäche der Beauftragten ist. Zu deutlich ist der Abstand, der oft zwischen dem Meister und seinen Jüngern besteht. Im "Dialog der religiösen Erfahrungen" wird es daher immer eine große Bereicherung sein, echter Religiosität in anderen Religionen zu begegnen, sich ehrfürchtig vor ihr zu verneigen und demütig davon für den eigenen Glaubensweg zu lernen. Zudem gilt: "Stückwerk ist unser Erkennen ...jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht" (1 Kor 13,9.12). Daraus folgt, dass wir auch die uns anvertraute Wahrheit. "nur in rätselhaften Umrissen" erkennen, anders gesagt: sie im Glauben, nicht in der klaren Schau erfassen können. Auch das soll uns demütig machen und im Dialog bereit, jedem Lichtstrahl der Wahrheit, wo immer er leuchtet, nachzugehen. Im "Dialog der Religionen" kann es daher auch zu einer Vertiefung der Erkenntnis in die uns anvertraute geoffenbarte Wahrheit kommen, wenn wir sie im liebenden Glauben suchen. 3. Vor Gott tragen wir für einander Verantwortung. Der biblische Glauben an den einen Gott bedeutet auch, dass allen Menschen gemeinsam die Verantwortung und Obsorge für diese Welt und für die Menschheitsfamilie aufgetragen ist. "Dialog der Religionen" heißt auch, Wege suchen, wie diese Verantwortung über alle Schranken der Religionen hinweg wahrgenommen werden kann." ... 4. Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass über uns nicht ein blindes, willkürliches Schicksal waltet, sondern dass wir allen Grund zur Hoffnung haben. Wir haben Verantwortung dafür, dass die Hoffnung in der Welt von heute nicht verstummt. (Vgl. Papst Johannes Paul II., Novo millennio ineunte. 6. Januar 2001, Nr. 58-59) Die Hoffnung drängt zum Zeugnis, sie sucht nach ihren Spuren und Zeichen in den anderen Religionen, sie sucht deshalb mit ihnen den Dialog, und sie ist "stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die [uns] erfüllt" (1 Petr 3,15). Einleitung
zur Gesprächsrunde mit Präsident Khatami, Sehr verehrte Herren Präsidenten. Eminenzen, Exzellenzen, sehr verehrte Damen und Herren! An der Schwelle einer neuen Epoche der Menschheitsgeschichte hat Präsident Khatami den Vereinten Nationen vorgeschlagen, das Jahr 2001 als ein Jahr des "Dialoges der Kulturen" auszurufen. Die weltweite Staaten- und Völkergemeinschaft, insbesondere auch Österreich, hat diesen Vorschlag begrüßt und angenommen. Wir dürfen damit in Ihnen, verehrter Herr Staatspräsident, einen der Brückenbauer einer neuen Weltkultur sehen, einer Kultur des Dialoges, die den Weg zu einem friedlichen Zusammenleben der Menschen, der Völker und Kulturen, der Religionen und Sprachen eröffnen soll. Angesichts der Alternative Konfrontation oder Austausch, Konflikt oder Dialog haben Sie sich für die Sache des Dialoges entschieden. Erlauben sie mir, dazu drei Gedanken aus unseren Erfahrungen und Einsichten im Rahmen des seit vielen Jahren im Gang befindlichen "Wiener Internationalen Christlich-Islamischen Dialogprozesses", an dem Sie, sehr verehrter Herr Staatspräsident, ja auch im Jahr 1993 persönlich teilgenommen haben, zu äußern. 1. Der Bau einer Brücke schafft etwas Neues. Er verbindet zwei Territorien -physische oder geistige -, die bis dahin durch ihre Verschiedenheit wie durch eine Kluft voneinander getrennt waren, zwischen denen es bis dahin kein Herüber und Hinüber gab. Der Bau einer Brücke führt in die Begegnung, er ermöglicht den Austausch. Soll die Welt von morgen nicht im Zeichen vorherrschender wirtschaftlicher, kultureller, politischer oder militärischer Mächte stehen, sondern im Zeichen der Begegnung, bedarf es der Brücken, auf denen gegenseitiger Austausch und gegenseitige Unterstützung möglich werden. Mit einem Wort der gemeinsame Einsatz für ein friedliches Miteinander der Völker und Kulturen. Voraussetzung für den Bau einer Brücke sind tief in das eigene Erdreich gesenkte Pfeiler, um sie tragfähig zu machen für den notwendigen Brückenschlag. Im Klartext gesprochen: Das Bekenntnis zu einem Dialog der Kulturen und zu einer Kultur des Dialogs schließt die Bereitschaft ein, die eigene Identität nicht - wie es bisher weithin geschah - gegen den Anderen zu definieren, sondern sie für die Begegnung mit dem Anderen zu öffnen. Ein Dialog von Mitte zu Mitte ist unsere Aufgabe. ... 2. Im einzelnen schließt dies bei dem Brückenbau für die Welt von morgen vor allem die Aufgabe ein, sich in neuer Weise auf die ursprünglichen Elemente der eigenen Tradition zu besinnen und sie in die Begegnung mit dem Anderen neu buchstabieren zu lernen. "We have to knock at the door of our traditions until they open", so hat es einmal einer unserer iranischen Gesprächspartner formuliert. Die Schwerter, die wir durch die Jahrhunderte geschmiedet haben, um einander zu bekämpfen, gilt es zu wandeln in Pflugscharen, die imstande sind, den Ackerboden unserer eigenen Traditionen tief zu durchfurchen, um auf diese Weise im Schweiße unseres Angesichts" (vgl. Gen 3,19) einen Boden zu bereiten, auf dem ein neues Miteinander wachsen kann..... 3. Angesichts der immer größer werdenden Ungerechtigkeit in unserer Welt, angesichts der Tatsache, daß ein großer Teil der Menschheit infolge der ungerechten Verteilung der Güter dieser Erde in bitterer Armut lebt und durch die gegebenen Verhältnisse in unerträglicher Weise unterdrückt wird, müßten sich unsere beiden Religionsgemeinschaften in besonderer Weise von Gott aufgerufen wissen, miteinander einzutreten für jene, die rechtlos sind, die keine Stimme haben in unserer Welt, für die Rechtlosen. die in der Welt weder einen Anwalt haben noch auch vielfach einen gerechten Richter.... Die gesellschaftskritische Aufgabe, so haben wir immer wieder betont. ist also eine unaufgebbare Aufgabe unserer Religionen. der gerade auch in einem aufrichtigen Dialog zwischen Christen und Muslimen ein besonderer Stellenwert zukommt, ohne dabei zu übersehen, daß auch umgekehrt - wie die Geschichte immer wieder zeigt - der Gesellschaft eine eminent religionskritische Aufgabe zukommt.... Anschließend fand die Gesprächsrunde statt, bei der verschiedene Fragen der Zuhörer behandelt wurden. |
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